
Ich wurde am 8. April 1959 als Kind jüdischer Eltern geboren. Meine Familie lebte in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine. Kiew ist eine riesige Metropole mit ca. 3 Millionen Einwohnern, von denen sehr viele Juden waren, die meisten von ihnen assimiliert. 70 Jahre Kommunismus sind auch an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen. Oft war es nur der Nachweis im Personalausweis, der ihre jüdische Identität bescheinigte. Auch meine Familie war nicht besonders religiös und eher säkular geprägt, auch wenn wir auf dem Papier nachweislich Juden waren.
Die meisten ukrainischen Juden kannten kaum die Geschichte ihres Volkes und wussten nichts von Gott und vom Land ihrer Väter. Trotzdem spürte ich in meinem Inneren, dass ich auf eine unerklärliche Weise mit Israel verbunden bin.
Nach 1967 (Sechstagekrieg in Israel) hat die ehemalige Sowjetunion Israel als „Aggressorstaat" definiert. Von uns Juden verlangte man, dass wir auch die „Aggressivität Israels" verurteilten. Und so wuchs ich in dieser ambivalenten Beziehung zu Israel auf.
1992 kam ich in einer messianischen Gemeinde in Kiew zum Glauben an Jesus, den Messias. Der Mann, der mich zum Glauben führte, war ein messianischer Jude aus Israel. Er liebte sein Land und war davon so begeistert, mir alles über Israel zu erzählen, dass mein Interesse an diesem Land immer größer wurde. Ich las Bücher über Israel. Das am meisten gelesene Buch war die Bibel. Früher las ich dieses Buch, als ob ich eine Decke vor den Augen hätte. Die meisten Leser denken jetzt an eine Decke in Bezug auf Jesus. Nein! Das war eine Decke in Bezug auf Israel und seine ewige Berufung als Volk Gottes. Jetzt merkte ich mit Begeisterung, dass alles was uns die Bibel beschreibt im Land Israel geschah.
Die Tatsache, dass Abraham, Mose, David, Jesus und Paulus Juden waren spielte für mich früher keine Rolle. Jetzt war ich wirklich stolz, zu dieser „Clique" zu gehören.
Ich habe verstanden, dass alle diese Dimensionen zusammengehören: der Gott Israels, das Volk Israel, der Messias Israels und das Land Israel.
1995 besuchte ich zum ersten Mal das Land meiner Väter.
Ich kann kaum das Gefühl beschreiben, das ich empfunden habe, als ich aus dem Flugzeug stieg und den ersten Israelis begegnete. In meinem Unterbewusstsein öffnete sich eine Tür, die mich mit tausenden Generationen meiner Vorfahren eins machte.
Diesem ersten Besuch folgten dann viele andere.
Bei meiner ersten Israelreise besuchte ich zusammen mit meinem damaligen Leiter Hartmut Renz zum ersten Mal Yad Vashem in Jerusalem. Yad Vashem ist das lebendige Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust. Der Name stammt aus der Bibel und bedeutet: Denkmal und Name.
Hartmut war für mich mehr als ein Chef. Er war mein geistlicher Vater. Jetzt sollte unsere Freundschaft erneut geprüft werden.
Wir standen zusammen in einem der schrecklichsten Räume dieser Gedenkstätte, der Halle der Namen. Das ist ein kreisförmiger Raum, der in Dunkelheit getaucht ist. In dieser Finsternis werden die Namen von ermordeten Juden vorgelesen und 600 Fotografien und Fragmente von Gedenkblättern auf die zehn Meter höhere Kugeldecke projiziert. Diese 600 Namen repräsentieren einen Bruchteil der sechs Millionen ermordeten Männer, Frauen und Kinder aus meinem Volk.
Ich stand an diesem düsteren Ort und fühlte die unerträgliche Last des Leides meines Volkes. Als ich die Bilder der ermordeten jüdischen Kinder sah, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten.
Und plötzlich spürte ich eine feste Hand auf meiner Schulter.
Hartmut erkannte, was in mir vorging und legte seine väterliche Hand auf mich. Mitleid, Trost und Anteilnahme flossen aus seinem Herzen in meine zerrissene Seele. Das war sehr heilend. Plötzlich wurde mir bewusst: Das ist die Hand eines Deutschen! Eines Vertreters des Volkes, das meinem Volk Schreckliches angetan hatte!
War es möglich, dass ein Deutscher mich so trösten konnte? „Sprudelt aus einer Quelle etwa frisches und bitteres Wasser zugleich?", fragt Jakobus, der Bruder Jesu (Jakobus 3,11). Nein! Es war eine andere Quelle, aus der Hartmut lebte. Er lebte die Versöhnung, die uns durch und nur durch Jesus zugänglich ist. Es ist egal, zu welchem Volk du gehörst, Jesus kann deine geistliche Genetik ändern. Du bist nicht gebunden, den Fluch deines Volkes zu tragen, wenn du Jesus dein Leben und Handeln ausgeliefert hast. Das hat Hartmut getan. Gott hat ihm seine Sünden vergeben und ihn errettet. Und als Bonus hat Gott ihm eine große Liebe zum jüdischen Volk geschenkt.
Und so standen wir beide Hand in Hand an diesem Ort des Entsetzens und Grauens, vereint in unserem Glauben, getröstet durch Gottes Erbarmen und Er bestätigte, dass wir beide zu dem Einen gehören. Durch die mächtige Kraft, die in uns wirkt, kann Gott unendlich viel mehr tun, als wir je bitten oder auch nur hoffen würden (Epheser 3,20).
In Yad Vashem lernte ich, wie ich mit eigenem Leid, aber auch mit dem Leid und der Schuld anderer Menschen umgehen konnte. Auch habe ich verstanden, wie wichtig es für Deutsche ist, die ihre Geschichte aufarbeiten wollen, ein jüdisches Gegenüber zu haben.
Später habe ich angefangen, selbst als Reiseleiter deutsche Touristen in Israel zu begleiten. Wir gehen immer nach Yad Vaschem und dort erzähle ich den Teilnehmern, wie geistliche Brücken zwischen Juden und Deutschen aufgebaut werden können. Wir beten zusammen Kaddisch und keiner der Teilnehmer kommt unverändert nach Hause. Sie erzählen ihren Kindern und Enkelkindern, was sie in Israel erlebt haben. Ich hoffe und bete, dass dadurch auch ein potenzieller Antisemitismus bekämpft wird und Israel mehr Freunde bekommt.
Eine Jugendliche und ein älterer Herr hatten während einer der Reisen beschlossen, sich in Israel taufen zu lassen.
Dazu konnten wir an der öffentlichen Taufstelle Yardenit am Jordan eine Taufbucht benutzen. Für beide war diese Entscheidung der Abschluss eines wohldurchdachten Entscheidungsprozesses. Diese Taufe war etwas ganz Besonderes, wurde sie doch von einem Christen und einem messianischen Juden vollzogen. Immer wieder haben wir von unserem Reiseleiter die christliche Sichtweise zu biblischen Orten erfahren. Ich machte diese durch meine jüdischen Ergänzungen komplett. Für die Teilnehmer öffneten sich dadurch Tore in eine Welt, die sie ohne jüdischen Hintergrund nicht verstehen konnten. Die Tatsache, dass ein Jude einen Mitmenschen auf den Namen Jesu tauft, birgt so viel Hoffnung in sich, welche in diesem Moment für alle spürbar wurde.
Wie großartig unser HERR jeden noch so kleinen Herzenswunsch hört und beantwortet, durften wir an dieser Taufe ebenfalls wahrnehmen. Die Jugendliche bat uns, ihren Moment der Taufe nicht fotografisch, sondern allein in unserem Herzen aufzunehmen. Sie war sehr aufgeregt und den Tränen nahe. Alle hielten sich daran und machten keinerlei Aufnahmen. Nach der Taufe sagte uns die Reiseleitung, dass immer Videoaufzeichnungen der Taufe mitgeschnitten werden und anschließend käuflich erworben werden können. Doch was für eine Überraschung: Bei ihrer Taufe, die zuerst stattfand, fiel der Strom aus und die Kamera konnte keine Aufzeichnung machen. Pünktlich zur zweiten Taufe schaltete sich die Kamera wieder ein.
Die nächste Begebenheit ist für mich besonders wertvoll, weil sie Trost spendet.
Unter den Reiseteilnehmern war auch eine Kirchenorganistin. Ein halbes Jahr vor der Reise sprach ich mit ihr am Telefon. Sie sagte, dass es ein Traum von ihr sei, in Israel ein Orgelkonzert zu geben. Ich stand dieser Idee sehr skeptisch gegenüber, weil ich dachte, Israel und ein Orgelkonzert, diese beiden Dimensionen liegen weit auseinander. Am nächsten Morgen telefonierte ich mit meinem damaligen Leiter Armin Bachor, der gerade in Israel war, und er sagte mir, er gehe abends zu einem Orgelkonzert in die Immanuel Kirche in Jaffa (ein Projekt des Evangeliumsdienstes für Israel!). Ich erzählte ihm das Anliegen der Organistin. Am nächsten Tag rief mich Armin an und sagte mir, dass der Pastor der Gemeinde für diese Idee sehr offen sei. Mehr noch, der Pastor hätte Verbindung zu einer Organisation in Israel, die jüdische Holocaustüberlebende betreuen. So brachte ich meine Reisegruppe auch nach Jaffa und mein Freund von Beit Sar Schalom brachte einhundert (!) jüdische russischsprachige Holocaustüberlebende, teilweise mit ihren Kindern, zur Immanuel Kirche.
Andrea, die Organistin, bot eine brillante Orgelmusik in drei Teilen dar und in den Pausen erzählte ich meinen Landsleuten in russischer Sprache, warum ich an Jesus glaube und warum ich eine deutsche Reisegruppe nicht nach Afrika oder Florida, sondern nach Israel bringe.
Als letztes Stück spielte Andrea den Walzer Nr. 2 von Dimitri Schostakovitsch. Das war Balsam für die Seelen dieser Menschen, die durch die „Hölle der Verfolgung" gegangen waren, denn dieses Musikstück kennt beinah jeder, der im russischsprachigen Osten Europas aufgewachsen ist. Nach dem Konzert entwickelten sich sehr gute und tiefe Glaubensgespräche. Die jüdischen Menschen bedankten sich dafür, dass Deutsche nach Israel gekommen waren und ihnen den Konzertbesuch ermöglicht hatten. Als Andrea gefragt wurde, was sie durch ihre Musik erreichen wollte, sagte sie: „Ich möchte, dass diese Menschen heute Abend zu Bett gehen mit dem Gedanken: Der liebe Gott hat uns einen gesegneten Tag geschenkt!"
Später schrieb sie mir Folgendes:
„Für mich war es alles andere als eine Routineaufgabe, die passende Musik für diese Menschen auszusuchen: Sie sollte ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und zumindest eine Nacht ohne Alpträume bereiten. Obwohl die Zeit für die Vorbereitung vor Ort im Grunde nicht ausreichend war, konnte ich unter Gottes Führung so frei wie sonst kaum meine Liebe und Dankbarkeit in die Musik hineinfließen lassen.
Es war eine wunderbare, unvergessliche Erfahrung, zum ersten Mal – und ganz sicher nicht zum letzten Mal! - als Nichtjüdin zusammen mit einem Juden für sein Volk etwas zu gestalten, das wirklich Bestand für die Ewigkeit hat - dessen bin ich sicher! Wir durften uns nachher in vielen Gesprächen mit diesen - an diesem Tag sehr fröhlichen - Menschen davon überzeugen. Den Wunsch eines alten Mannes, der mich herzlich darum bat, bei unserem nächsten Besuch (den er gar nicht erst in Zweifel zog!) die Hatikwa auf der Orgel zu spielen, werde ich aus ganzem Herzen gern erfüllen! Und ich danke dem Gott Israels, dass Er mich für Sein Volk braucht – obwohl es keine Orgeln in jüdischen Gebetshäusern gibt."
Ich spüre in diesen Worten eine große Energie des Trostes, die von dem Volk der Täter zum Volk der Opfer fließt. Und das ist etwas Übernatürliches, etwas was nur der Allmächtige Gott tun kann.
Normalerweise besorge ich meinen Feststrauß (Lulav und Etrog) für das Laubhüttenfest lange im Voraus. So machte ich es auch dieses Mal in Deutschland. Und dann kam überraschend die Einladung, mit einer Reisegruppe zum Laubhüttenfest nach Israel zu fliegen.
Deshalb nahm ich meinen Feststrauß nach Israel mit. An Erev Sukkot (Vorabend des Laubhüttenfestes) ging ich in die Synagoge an der Westmauer in Jerusalem. Ich sprach einen orthodoxen Juden an und sagte ihm: „Ich bin zum ersten Mal mit meinem eigenen Lulav hier und möchte gerne mit meinem Volk anbeten." Dieser Mann war ein marokkanischer Jude und hieß Mischel. Er nahm mich mit und führte mich ins Gebet ein. Sofort kamen noch andere Juden dazu und sie brachten mir bei, wie man den Lulav richtig schwenken muss. Und so betete ich zum ersten Mal in meinem Leben an der Westmauer in Jerusalem mit anderen Juden zusammen.
Natürlich segnete ich sie alle im Namen Jesu! Und ich spürte, dass Jesus bei dieser Anbetung mit dabei war!
Wir beteten um Regen und sangen gemeinsam das Hallel (Psalmen 146-150). Und dann sagte mir Mischel: „Schau Dir mal die Steine an." Das sind die riesigen Steine in der Mauer, die noch aus der Zeit des Herodes stammen. Ich legte meine Hand auf den uralten Stein und spürte, dass er nass war. „So", sagte Mischel, „sind die Wunder, die Gott in unserem Leben tut, Er antwortet auf unsere Gebete."
Überrascht hat mich, dass die orthodoxen Juden gar nicht fragten, was ich glaube. Nur das Eine war wichtig: Ich war Jude. Ich wünschte mir sehr, dass eine solche Gemeinschaft auch in Deutschland möglich wäre.
Das Thema Holocaust spielt eine besondere Rolle in meinem Leben. So, wie im Leben aller Juden. Es gibt kaum eine jüdische Familie in der Welt, die keine Angehörigen in diesem schrecklichen Verbrechen verloren hat.
Deswegen ist jede Begegnung mit holocaustüberlebenden Juden ein Meilenstein auf meiner Lebensreise.
Bei meiner Israelreise im Mai 2016 lernte ich Julia kennen, eine Holocaustüberlebende. Sie hat fast ihre alle Verwandten im Krieg verloren. Eine polnische Familie rettete ihr das Leben. Über ihre Erlebnisse im Holocaust hat sie nach Kriegsende mit niemandem gesprochen. Das Thema war tabu. Erst vor einigen Jahren brach sie ihr Schweigen. Sie ist eine sehr liebevolle Frau. Trotz der vielen Tragödien, die sie erlebt hat, spricht sie gerne mit Christen aus Deutschland und erzählt ihnen das Erlebte. Einmal fragte ein Christ: „Wenn Sie Gott eine Frage stellen könnten, was würden Sie fragen?" Julia sagte: „Ich würde Ihn fragen, warum nur ich aus meiner ganzen großen Familie überlebt habe?"
Später sagte der Fragende: „Ich glaube, sie haben überlebt, um uns jetzt diese Geschichte zu erzählen." Jeder von uns wurde dadurch verändert!
Ich konnte dieses Mal Julia zu Hause besuchen und ihr eine kleine finanzielle Unterstützung anbieten.
Wichtiger aber für sie waren die Zeit, die wir im Gespräch verbrachten und das gemeinsame Anschauen der alten Alben mit den Bildern ihrer Liebsten. Obwohl sie von einer lieben Christin aus Deutschland betreut wird, spürt Julia die Einsamkeit. Ich betete mit Julia zusammen, dass Gott ihr das Verlassenheitsgefühl wegnimmt und ihr Freude und Zuversicht schenkt.
Auch die folgende Begegnung hatte mir gezeigt, wie ein Israelhasser zu einem Israel liebenden Mensch von Gott verändert werden kann.
Einen sehr tiefen Eindruck hinterließ bei mir die Begegnung mit Tass Abu Saada, einem ehemaligen Moslem. Sein Buch „Ich kämpfte für Arafat" ist in vielen Sprachen erschienen. Tass erzählte uns sein Zeugnis, als wir ihn in Jericho besuchten. Als er bei der Fatach war, hat er mehrere Anschläge auf Juden und Christen vorbereitet und ausgeführt. Nur die Gnade Gottes führte ihn in die Buße und schließlich erlebte er bei Jesus Vergebung. Seitdem sucht Tass Wege, um Israel zu segnen. Dieser arabische Christ war sehr überrascht, dass ich als Jude mich bei ihm für sein Zeugnis bedankte. Alle Begegnungen und Kontakte mit jüdischen Menschen betrachtet Tass als ein Geschenk. Mir gegenüber sagte er: „Juden praktizieren ‚Liebe deine Feinde…', ohne an Jesus zu glauben und die Bergpredigt gelesen zu haben.'"
Immer wieder, wenn ich das Land Israel besuche, spüre ich eine tiefe Verbundenheit mit meinem Volk und mit diesem Land. Gleichzeitig ist mir aber auch bewusst, dass der Herr mir eine Aufgabe in Deutschland gegeben hat, die sehr aktuell ist: Brückenbauer zwischen Juden und Christen, Juden und Deutschen zu sein.
Ich bin ein Jude und deshalb gibt es ein Unterschied zwischen dem, wenn man mich fragt, warum ich Israel liebe und wenn ich meinen christlichen Freunden sage, warum sie Israel lieben sollen.
Ich liebe Israel, weil es meine geistliche Heimat ist. Obwohl ich dort nicht lebe, weiß ich immer, dass Israel eine wichtige Rolle in meinem Leben spielt. Ich richte meine Gebete in Richtung Jerusalems und fühle mich mit den Bewohnern Israels total verbunden. Ich bin solidarisch mit Israel und ein Unterstützer des Zionismus. Ich unterstütze den Zionismus, weil es für mich eine geistliche Angelegenheit ist. Die Schrift sagt: Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem." (Jesaja 2,2f)
Sollen auch Christen Israel lieben und dahin reisen? Ich glaube schon. Folgende Gründe sprechen dafür:
Ich möchte zum Schluss von einer Begegnung erzählen, die mir gezeigt hat, dass die Liebe zu Israel etwas Tieferes als nur eine Israeleuphorie ist.
Nach einem Vortrag über Antisemitismus in einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde wurde ich von einem Jungen namens Thomas angesprochen.
Er war 14 Jahre alt und sein Gesicht war sehr ernst, als ob er mir etwas sehr Wichtiges anvertrauen wollte. Sein Vater stand etwas weiter weg und beobachtete, wie sein Sohn mit mir sprach. Ich glaube, er wusste, was ich mir anhören sollte, und war sehr angespannt.
„Sie haben in Ihrem Vortrag erwähnt, dass Deutsche dem jüdischen Volk großes Leid angetan haben. Ich möchte Sie um Vergebung für meine Vorfahren bitten!"
Ich war sehr überrascht! Wie kann ein Junge mit 14 Jahren eine solche Schulderkenntnis haben? Sollte der Vater ihm diese Worte in den Mund gelegt haben? Später erfuhr ich von seinem Vater, dass Thomas ihm während des Vortrags sein Vorhaben mitgeteilt hatte. „Er ist ein ungewöhnlicher Junge", meinte der Vater, - „er empfindet alles viel tiefer als seine Klassenkameraden."
Ich hatte mit Thomas ein gutes Gespräch. Er versprach auch, für meinen Dienst zu beten und mir zu schreiben. Einen Monat später bekam ich eine schöne Postkarte von ihm. Unter anderem schrieb Thomas: „.… In der Schule nennen sie mich jetzt ›den Juden‹. Anfangs ärgerte ich mich, aber jetzt weiß ich: Wir sind eingepfropft in den edlen Ölbaum Israels!"
Ich fand dieses Bekenntnis sehr zutreffend! Ja, nur so kann ich mir seine Bitte um Vergebung erklären.
Nur der, der sich mit dem Volk Israel eins fühlt, kann den Schmerz nachempfinden. „Eingepfropft in den edlen Ölbaum Israels!" Ich würde so gerne die Worte des 14-jährigen Jungen in den Mund aller erwachsenen Christen hineinlegen!
Ich schließe diesen Artikel mit einer Bitte: Ich vermute, wenn Sie lieber Leser diese Zeilen lesen, dann sind Sie auf dem Weg, Israel zu lieben. Einige Gründe dafür habe ich Ihnen in diesem Artikel geliefert. Nicht zu vergessen, in Israel wächst die vierte Generation messianischer Juden heran. Sie sind ein edler Zweig im gesamten „Ölbaum Israels". Die Tatsache, dass Juden in Israel zum Glauben an ihren Messias Jesus kommen ist ein Zeichen dafür, dass sich die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen ihrem Ziel nähert. So wie vor 2000 Jahren die Geschichte des Messias in Israel angefangen hat, so kehrt sie in ihre Heimat zurück. Beten Sie dafür, dass Sie nicht Zuschauer bleiben, sondern ein aktives Mitglied dieser Geschichte werden. Dieser besonderen Geschichte der Liebe Gottes mit seinem Volk Israel.
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