„Du, Gott, siehst mich“ – mein Weg als messianischer Jude
Vor 20 Jahren wurde ich von einem orthodoxen Geistlichen gefragt, zu welcher christlichen Denomination ich gehöre. Ich sagte: „Ich bin ein messianischer Jude.“ Mein Gegenüber dachte, er hätte akustisch etwas falsch verstanden und fragte nach: „Meinten Sie, ein marsianischer Jude?“
Das war kein Witz! Mindestens klang es nicht wie ein Witz. Ich war schockiert: Die Menschen sind eher bereit, an einen Juden vom Planeten Mars zu glauben, als an einen Juden, der dem Messias gehört!
Aufgewachsen ohne Gott
Ich wurde in einer säkularen jüdischen Familie in der ehemaligen Sowjetunion geboren. Die meisten Juden dort waren atheistisch geprägt. 70 Jahre Kommunismus gingen nicht spurlos an uns vorüber. Das Eintragen der jüdischen Nationalität im Personalausweis und der latente Antisemitismus waren die einzigen, aber spürbaren Merkmale unserer Zugehörigkeit zum Volk Gottes.
Als ich mit 33 Jahren zum Glauben an Jeschua kam, war ich Gott unendlich dankbar, dass er mich gefunden hatte.
Der Gott, der mich sieht
„Du, Gott, siehst mich.“ ata El ro’i – so nennt Hagar Gott, nachdem er sie in der Wüste aufgesucht hatte (1. Mose 16,13)
Als ich später die Bibel studierte, kam ich auf diese Stelle und konnte mich völlig mit dieser ägyptischen Magd identifizieren. Wie groß ist unser Gott: Er kennt uns, er sieht uns sogar schon dann, wenn wir ihn noch nicht sehen!
Über siebzig Jahre haben die meisten Juden in Russland und der Ukraine Gott nicht gesehen. Aber Gott sah uns – unsicher und ängstlich wegen des Antisemitismus, verwurzelt im Säkularismus, beeinflusst vom Kommunismus – uns, Juden dem Namen und der Nationalität nach. Er sah uns an und er offenbarte sich uns in seinem Sohn, dem Messias Jeschua.
Er hat mich gerettet, er schenkte mir Freude am Leben und das Wichtigste: Er gab mir eine Berufung. Seit 25 Jahren darf ich diese Berufung ausleben.
Messianische Juden in Deutschland
In den frühen 90er Jahren entstand die moderne messianische Bewegung in Deutschland. Heute leben hier zwischen 2000 und 3000 Juden, die an Jeschua glauben. Sie bilden ihre eigenen jüdisch-messianischen Gemeinden. Solche Gemeinden sind nicht nur für Juden attraktiv, sondern auch für Christen, die ihre Wurzeln im biblischen Judentum suchen.
Unser jüdisches Erbe leben
Als messianische Juden schätzen wir unser jüdisches Erbe in besonderem Maße. Wir studieren die Thora und andere jüdische Quellen und haben für uns die Schönheit und die Tiefe der biblischen Feste neu entdeckt:
- Wir beschneiden unsere Kinder.
- Wir fasten und beten an Jom Kippur, dem Großen Versöhnungstag.
- Wir bauen Laubhütten an Sukkot, dem Laubhüttenfest.
- Am Passahfest lesen wir die Haggadah – die Geschichte über den Auszug aus Ägypten – und feiern die Auferstehung unseres Messias, der als Lamm Gottes für uns geschlachtet wurde.
Wir veranstalten Konferenzen und Sommerfreizeiten für Kinder und Jugendliche. Wir beten jeden Schabbat für das Volk und den Staat Israel und versuchen, seine verschiedenen Projekte zu unterstützen. Wir freuen uns, Juden zu sein – aber ganz besonders darüber, dass wir unseren jüdischen Messias gefunden haben.
Ein doppelter Auftrag
Ich glaube, Gott hat den messianischen Juden in Deutschland einen doppelten Auftrag gegeben.
Zum einen die Rückführung unseres Volkes zu seiner Identität mit all ihren Aufgaben und Pflichten gegenüber Gott und den Menschen. Das Wesentliche ist das Erkennen des Messias, der uns mit Gott dem Vater versöhnt hat.
Zum anderen sollen wir den christlichen Gemeinden von ihren jüdischen „Wurzeln“ erzählen und ihnen einen jüdischen Messias vor Augen malen. Dadurch kommen wir mehr und mehr zu der von Gott vorgesehenen Einheit in Jeschua und bekämpfen den immer noch vorhandenen Antisemitismus.
Freude und Zuversicht
Bei allen Herausforderungen: Wenn ich sehe, was Gott unter seinem Volk in den letzten 25 Jahren in Deutschland und weltweit getan hat, kann ich nur sagen: „Du, Gott, siehst mich“ – und das erfüllt mich mit Freude und Zuversicht.





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